Wüste?

Dune

Das Bildarchiv enthält eine Menge Bildmaterial, und von Zeit zu Zeit entdecke ich Bilder darin, die ich eine Weile nicht gesehen habe, die vor langer Zeit entstanden sind. Es ist manchmal erstaunlich, aus heutiger Perspektive zu sehen, was ich damals fotografisch interessant fand, und zu ergründen, wie oder warum ich etwas fotografiert habe. Ich werde auch immer wieder gefragt, wie und wo bestimmte Bilder entstanden sind. Hier im Blog kann gern über die Kommentare angefragt werden, ich kann dann evtl. etwas dazu schreiben.

Ich werde in diesem Blog versuchen, einiges zu meiner fotografischen Arbeit zu sagen, was aus den Bildern allein nicht so leicht ersichtlich ist. Im Bildarchiv und im Shop gibt es wenig Raum, zu den Bildern entsprechende Kommentare einzustellen. Dieser Blog ist der perfekte Ort, die Lücke zu füllen. Kommentare sind willkommen.

Anfangen werde ich mit dem Bild, das du oben siehst:  ‚Dune‘ . Im Archiv ist es unter dem Namen Szenerie 49 abgelegt. Es ist im Januar 2005 nicht etwa in der Wüste Gobi, sondern mitten in Hamburg entstanden, genauer gesagt nicht wirklich mitten in Hamburg, sondern in Boberg in den dortigen Heidegründen.

Etwas trostlos? Würd ich nicht sagen. Ich mag es. Es ist eine Fußspur zu sehen, die im Nirgendwo endet – oder beginnt, ganz wie man möchte, als wäre der einsame Wandersmann abrupt stehengeblieben und dann abgehoben, um in höhere Sphären zu entfleuchen. Die Spuren passen hier gut, denn dieser Blog beginnt gerade, und niemand weiß, wohin die Reise überhaupt gehen soll. Hinzu kommt, dass die Fußspuren vom Wind leicht verwischt wurden, genau wie der Weg, auf dem ich anscheinend gerade gehe. Alles ist neu, ungewiss, nicht klar zu überschauen, das Ziel nicht in Sicht.

Ich war damals mit Klaus von Hollen unterwegs, einem Freund und sehr talentierten Fotografen, mit dem ich die Vorliebe für die klare Formensprache und die Abstraktion vom Alltäglichen teile. Wir hatten damals beide erst begonnen, mit digitaler Fotografie zu experimentieren, er mit seiner Nikon D100, ich mit der Canon D60, einer der ersten digitalen SLRs überhaupt. Zum Einsatz kam das Weitwinkelzoom Sigma 15-30, das sicherlich nicht zu den Spitzenobjektiven zählt, das aber durchaus anständige Resultate liefert. Aber das Auge des Fotografen auf das Motiv ist der wichtigere Aspekt, erst an zweiter Stelle kommt die Güte des Objektivs, und dann erst die Kamera und ihre Ausstattung. Eine dynamische Kniebeuge an der richtigen Stelle, und schon wird der wellige Boden, der von oben gesehen nicht sehr spannend wirkt, zum prägenden Bildelement. Die Schatten in den welligen Vertiefungen liefern die Kontraste, und die Textur, die sich in der Ferne verliert, sorgt hier für Tiefe. Am besten gefallen mir aber die weichgeschliffenen Fußspuren, die zu etwas skulpturhaft Eigenem, Fließendem werden, und gleichzeitig Vergehendes symbolisieren.

Übrigens ist Szenerie 50 in Szenerie am selben Tag am selben Ort entstanden, gleich nebendran, und doch so anders..